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Paderborns Trainer Andre´Breitenreiter in der Pressekonferenz München

24. Sept 2014

Echt. Fair. Einfach sympathisch.
Paderborns Trainer André Breitenreiter in der Pressekonferenz Allianz-Arena München

Dass den Kleinen und Schwachen, aber Mutigen die Herzen der Menschen zufliegen ist ja ein alter Hut. Aber eben doch immer wieder ergreifend, wenn man es erlebt. Der FC Paderborn verliert gegen den FC Bayern. Mit 0:4. Das ist schon eindeutig. Das kann am Selbstbewusstsein nagen. Das kann zu Mitleid und Selbstmitleid führen. Insofern hatte man sich als Zuschauer schon seine Abwehrtaktik gegen mögliches Fremdschämen bei der anstehenden Pressekonferenz beider Trainer nach dem Spiel zurechtgelegt.

Der Trainer der Gast-Mannschaft beginnt, André Breitenreiter. Sein erster Satz: „Herzlichen Glückwunsch zum tollen Sieg einer tollen Mannschaft.“ Huch? Haben wir uns da verhört? Hat er vielleicht was nicht richtig mitgekriegt? Aber er legt sogar noch nach: „Ein Gegner von überragender Qualität, die Bayern haben ein wahres Offensivfeuerwerk abgebrannt.“ Ja, das sehen wir auch so. Aber muss ein Trainer nicht nach Ausreden suchen, warum es heute nicht geklappt hat? Nein – muss er nicht. Jedenfalls nicht, wenn er so authentisch auftritt, wie Breitenreiter: „Für uns war das ein tolles Erlebnis hier heute aufzulaufen zu dürfen.“ Was können wir nun anderes tun, als diesen Mann einfach toll zu finden. Sympathisch. Ehrlich.

Dann der zweite Teil der Antwort: Das Lob für seine Mannschaft: „Die Bayern in Best-Besetzung, volle Kapelle, das ist natürlich auch ein Lob für uns. Und wir haben ja auch gute Aktionen gehabt, haben nicht einfach drauf hauen, sondern zwei, drei ganz gefährliche Situationen herausgespielt.“ Und dann öffnet er die Beziehungsgruppe: „Und nicht nur die Mannschaft, sondern alle unsere Fans können stolz darauf sein, was wir in den letzten Monaten geschafft haben.“

Teil 3 der Breitenreiter´schen Charme-Offensive: Gefühl, Leidenschaft: „Was soll ich noch sagen? Für mich ist das eine Ehre, hier sein zu dürfen, hier zu sitzen mit Pep Guardiola.“ Das geht ganz tief rein, denn davon träumt natürlich jeder Fußball-Fan träumt. Und dann, am Ende, so steht es ja auch in jeder Redner-Anleitung, ein kleiner Witz. In diesem Fall wohl eher unbeabsichtigt, aber geklappt hat es dennoch: „Und so viel Leistung belohnen wir natürlich, wir gehen morgen für ein paar Stunden auf die Wies´n.“ Lacher im Publikum.

Was können Interviewpartner von Breitreitner lernen? Vor allem: Sei und bleib wie du bist. Ja, es gibt Regeln für den öffentlichen Auftritt. Aber: Die Regeln müssen zum Menschen passen. Alles andere wirkt steif, unpersönlich, unsympathisch. Dazu kommen Eigenschaften, die uns schon die Oma immer gepredigt hat: Sei bescheiden, zurückhaltend. Und Breitreitners dritter „Trick“: Jammere nicht, sondern sieh das Gute in einer Sache.

Wenn dann auch noch die Leidenschaft dazu kommt, in diesem Fall für den Fußball, dann fliegen dem Mann alle (Fußballer-)Herzen zu: „Ich wünsche dem FC Bayern alles Gute, für die Champion League, für die Bundesliga. Haut sie zuhause alle weg. Dann sind wir auch nicht die einzigen.“

Herrjeh, was sagt dieser Mann erst, wenn Paderborn mal gegen Bayern gewinnt?

Martin Winterkorns Entschuldigung auf youtube

Oktober 2015karikatur-winterkorn-klein

„Ich bitte um Entschuldigung. Wir werden alles tun, um diesen Fall aufzuklären.“ Ein Unternehmen in der Krise. Und der Chef bittet um Entschuldigung. Das ist richtig. Aber es reicht nicht. Denn erstens ist es weit mehr als nur eine Krise bei VW. Und zweitens: Der Chef mag keine Schuld haben. Aber er ist verantwortlich.

Eine Krise, in diesem Fall sogar ein GAU, findet bei uns nicht im Kopf statt. Sondern im Bauch. Eine Krise und unsere Reaktionen darauf sind nicht rational, sondern emotional. Argumente können uns deswegen nicht erreichen. Warum nicht?

Eine Krise ist enttäuschtes Vertrauen. Wir haben, in diesem Fall, VW vertraut. Wir haben uns mit und in einem VW gut gefühlt. Sicher. Komfortabel. Und, wir haben es ja in der VW-Werbung oft genug gehört: „Wir fahren sauber“. Sauber für die Umwelt und damit auch sauber für uns. Das schafft ein gutes Gewissen. Jetzt sind wir enttäuscht worden. Zwar nicht alles gelogen – sicher und komfortabel sind uns noch geblieben. Aber sauber sind und fühlen wir uns nun keineswegs mehr. Und damit sind auch das Produkt und Unternehmen nicht mehr sauber. Und eben – auch der Chef nicht mehr.

Produkte, und die Werbung für sie, zielen auf den Bauch, nicht auf den Kopf. Deswegen reagieren wir darauf auch emotional. Unsere Enttäuschung ist eine seelische Verletzung. Und natürlich suchen wir den Fehler nicht bei uns (wir hätten ja der Werbung misstrauen und selber externe Abgasprüfungen initiieren können), sondern, wie immer in solchen Fällen, hat jemand anders Schuld. Und dieser Jemand soll leiden, ebenso wie er uns leiden lässt.

Über Pro und Kontra eines Rücktritts von Martin Winterkorn muss deswegen nicht diskutiert werden. Natürlich ist Winterkorn nach wie vor ein fähiger Vorstandsvorsitzender, der VW auch weiterhin auf einen guten und erfolgreichen Weg bringen könnte. Aber dem steht entgegen: Mit Winterkorn kann dieser GAU nicht wirklich beendet werden. Mit Winterkorn ist bei VW kein Neuanfang möglich. Solange der Verantwortliche (auch wenn er, vielleicht, nicht der Schuldige ist) besser davon kommt, als wir es konnten – wird VW in der Öffentlichkeit, bei Mitarbeitern und bei Kunden keine wirklich weiße Weste zurückgewinnen können.

Tilman Mayer, ARD-Tagesthemen, 18. Oktober 2015

Tilman Mayer, Politikwissenschaftler an der Uni Bonn, in den Tagesthemen zum Attentat auf Henriette Reker, Kandidaten für das Amt des Kölner OB

Wissenschaft und Medien – ein schwieriges Thema. Wer forscht, ist Experte, weiß über ein Thema alles. Wer Fernsehen schaut, ist Laie, weiß über Vieles wenig. Diese Kombination geht selten gut – und eben auch nicht in den Tagesthemen am vergangenen Samstag.
Henriette Reker, Kandidatin für das Amt des Kölner OB, wird niedergestochen – klar suchen die Journalisten jetzt nach einem Experten, der Theorien und Vermutungen für die Gründe liefern kann. Ob ein Politikwissenschaftler wie Tilmann Mayer dafür der Richtige ist – nicht wichtig. Wichtig ist: Wer als Experte befragt wird, muss als Experte auftreten. Und das gelingt Mayer leider gar nicht. Weder inhaltlich noch sprachlich bietet er dem Zuschauer (und der Redaktion) einen Mehrwert.

Okay, für die Frage des Moderators „Können die Aktionen von Pegida den Attentäter zu seiner Tat motiviert haben?“ ist ein Politikwissenschaftler nicht der richtige Ansprechpartner. Dennoch muss der Interviewpartner mehr liefern als eine Bestätigung dieser Vermutung. Aber davon ist bei Mayer nichts zu hören:
„Ja, nach allem, was wir wissen, kann es hier ja auch eine psychisch-soziale prekäre Existenz sein, die hier zur Tat geschritten ist. Er war wohl motiviert worden – insofern wirkt natürlich die Tat auf die Pegida-Bewegung zurück, die sich dann hier auch fragen lassen muss, inwieweit sie hier auch Verantwortung übernehmen muss.“
So so. Aber diese Vermutung ist sicher schon an den Stammtischen geäußert worden, einen Politikwissenschaftler hätte es dafür nicht gebraucht.

Die zweite Frage betrifft dann Mayers Fachgebiet – aber leider patzt er auch hier: „Im Vergleich zu vor einem Jahr – was ist anders?“
Mayer: „Nun, man muss schon sehen, dass das Sein das Bewusstsein ein wenig bestimmt, das heißt, der Flüchtlingsstrom in diesem Ausmaß und in der doch an sich geringen Beherrschbarkeit, die sich zeigt, das beunruhigt schon die Bevölkerung insgesamt, bei allem guten Willen, hier zu helfen. Und insofern entsteht hier schon ein gewisser Stressfaktor, könnte man sagen.“

Die journalistische Übersetzung dafür lautet: „Die vielen Flüchtlinge machen der Bevölkerung Angst. Auch deswegen, weil man den Eindruck hat, dass die Regierung diese Flüchtlingswelle nicht in den Griff kriegt.“ Ach so. Aber neu ist das auch nicht gerade.

Auch die beiden weiteren Fragen und Antworten zeigen: Der Moderator stellt in seinen Fragen Theorien auf, die der Experte in den Antworten bestätigt. Inhaltlich sagt Mayer: „Ja, sehe ich auch so.“ Formal hängt er (offensichtlich spontane) Gedanken aneinander. Heraus kommt ein einziger, dafür langer Schlangensatz mit vielen Einschüben, ohne Pausen und ohne klare Botschaft.

Und da beklagen sich die Wissenschaftler, dass sich keine Sau für sie und ihre Arbeit interessiert.

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