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Gut gemacht Herr Steinberg

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Foto: ARD-Screenshot

So einfach kann ein gutes Fernsehinterview sein: Guido Steinberg, Islamwissenschaftler, in den Tagesthemen am 4. Januar zur den Hinrichtungen in Saudi-Arabien.

Wenn Fernseh-Redaktionen einen Interviewgast eingeladen haben, dann steigt, vor allem vor der Live-Sendung, der Adrenalinspiegel: „Wie wird er rüberkommen, spricht er so, dass die Zuschauer ihn verstehen, kann er kurz antworten, bleibt er womöglich hängen…?“

Bei Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik, am Montag in den Tagesthemen zum Thema Konflikt Saudi-Arabien – Iran, konnten sich Redakteure und Moderator entspannen: Steinberg zeigte souverän, worauf es beim guten Interview ankommt: „Sage was Neues, sage es verständlich und sage es möglichst in 30 Sekunden.“ (Okay, ein paar mehr waren es schon.) Natürlich, der Auftritt muss auch im Detail stimmen. Aber wenn diese drei Voraussetzungen erfüllt sind, dann fallen auch kleine Schwächen in der Umsetzung nicht ins Gewicht – der gute Eindruck überwiegt.

Frage: „Warum diese Eskalation, warum geschieht sie jetzt?“
Steinberg eröffnet mit einer klaren Einschätzung und Aussage: „Saudi-Arabiens König setzt auf Eskalation.“ Er stellt dann klar, worum es nicht geht: „Es ist nicht das Verhältnis zu Iran“ und nennt dann einen Grund für die Eskalation: „Der König will den konservativen Kräften im Land deutlich machen: Wenn ihr euch an Al Kaida, am IS orientiert, müsst ihr mit der Todesstrafe rechnen.“ Und dann noch einen zweiten: „Saudi-Arabien erhebt einen Führungsanspruch in der sunnitischen Welt.“
48 Sekunden – in denen ich viel gelernt und verstanden habe über die Situation in Saudi-Arabien.

Frage: „Saudi-Arabien und Iran sitzen mit bei den Friedensverhandlungen für Syrien. Was bedeutet diese Eskalation für diesen Friedensprozess?“
Steinberg erweitert das Thema mit dem Hinweis darauf, dass ja beide Länder in Jemen und auch in Syrien Stellvertreterkriege führen. Er kehrt dann zu der Frage zurück, befürchtet, dass sich die jetzigen Ereignisse negativ auf die Friedensgespräche auswirken werden.
Klar, wenn ich lange drüber nachgedacht und viel gegoogelt hätte, wäre mir der Zusammenhang dieser beiden Kriege womöglich auch aufgefallen. Aber so ging es in 40 Sekunden.

Auch die Frage nach dem möglichen Einfluss, den der Westen, den Deutschland auf Saudi-Arabien nehmen kann, beantwortet Steinberg souverän und konkret: Da gibt es so gut wie keine Möglichkeiten. Und die Idee, Saudi-Arabien keine deutschen Waffen mehr zu liefern (wie von den Grünen gefordert) verwirft er überzeugend: „Dieses Druckmittel gibt es nicht, denn die wirklich wichtigen Rüstungsgüter in Saudi-Arabien kommen gar nicht mehr aus Deutschland, sondern aus anderen Ländern.“

Informationen, nach denen der Moderator  nicht gefragt hat, die aber für das Thema und für die Einordnung wichtig sind. Antworten mit einer „Überschrift“, mit Argumenten und am Ende ein zusammenfassender Schluss. Eine einfache Sprache, halbwegs kurze Sätze, klare Struktur. Und immer der Eindruck, dass der Experte schon am Anfang seiner Antwort weiß, wo er hin will und wo er am Ende sein wird.

Da kann man sich als Zuschauer dem letzten Satz des Moderators nur anschließen: „Vielen Dank, Herr Steinberg, für diese Informationen.“