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Tilman Mayer, ARD-Tagesthemen, 18. Oktober 2015

Tilman Mayer, Politikwissenschaftler an der Uni Bonn, in den Tagesthemen zum Attentat auf Henriette Reker, Kandidaten für das Amt des Kölner OB

Wissenschaft und Medien – ein schwieriges Thema. Wer forscht, ist Experte, weiß über ein Thema alles. Wer Fernsehen schaut, ist Laie, weiß über Vieles wenig. Diese Kombination geht selten gut – und eben auch nicht in den Tagesthemen am vergangenen Samstag.
Henriette Reker, Kandidatin für das Amt des Kölner OB, wird niedergestochen – klar suchen die Journalisten jetzt nach einem Experten, der Theorien und Vermutungen für die Gründe liefern kann. Ob ein Politikwissenschaftler wie Tilmann Mayer dafür der Richtige ist – nicht wichtig. Wichtig ist: Wer als Experte befragt wird, muss als Experte auftreten. Und das gelingt Mayer leider gar nicht. Weder inhaltlich noch sprachlich bietet er dem Zuschauer (und der Redaktion) einen Mehrwert.

Okay, für die Frage des Moderators „Können die Aktionen von Pegida den Attentäter zu seiner Tat motiviert haben?“ ist ein Politikwissenschaftler nicht der richtige Ansprechpartner. Dennoch muss der Interviewpartner mehr liefern als eine Bestätigung dieser Vermutung. Aber davon ist bei Mayer nichts zu hören:
„Ja, nach allem, was wir wissen, kann es hier ja auch eine psychisch-soziale prekäre Existenz sein, die hier zur Tat geschritten ist. Er war wohl motiviert worden – insofern wirkt natürlich die Tat auf die Pegida-Bewegung zurück, die sich dann hier auch fragen lassen muss, inwieweit sie hier auch Verantwortung übernehmen muss.“
So so. Aber diese Vermutung ist sicher schon an den Stammtischen geäußert worden, einen Politikwissenschaftler hätte es dafür nicht gebraucht.

Die zweite Frage betrifft dann Mayers Fachgebiet – aber leider patzt er auch hier: „Im Vergleich zu vor einem Jahr – was ist anders?“
Mayer: „Nun, man muss schon sehen, dass das Sein das Bewusstsein ein wenig bestimmt, das heißt, der Flüchtlingsstrom in diesem Ausmaß und in der doch an sich geringen Beherrschbarkeit, die sich zeigt, das beunruhigt schon die Bevölkerung insgesamt, bei allem guten Willen, hier zu helfen. Und insofern entsteht hier schon ein gewisser Stressfaktor, könnte man sagen.“

Die journalistische Übersetzung dafür lautet: „Die vielen Flüchtlinge machen der Bevölkerung Angst. Auch deswegen, weil man den Eindruck hat, dass die Regierung diese Flüchtlingswelle nicht in den Griff kriegt.“ Ach so. Aber neu ist das auch nicht gerade.

Auch die beiden weiteren Fragen und Antworten zeigen: Der Moderator stellt in seinen Fragen Theorien auf, die der Experte in den Antworten bestätigt. Inhaltlich sagt Mayer: „Ja, sehe ich auch so.“ Formal hängt er (offensichtlich spontane) Gedanken aneinander. Heraus kommt ein einziger, dafür langer Schlangensatz mit vielen Einschüben, ohne Pausen und ohne klare Botschaft.

Und da beklagen sich die Wissenschaftler, dass sich keine Sau für sie und ihre Arbeit interessiert.