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Martin Winterkorns Entschuldigung auf youtube

Oktober 2015karikatur-winterkorn-klein

„Ich bitte um Entschuldigung. Wir werden alles tun, um diesen Fall aufzuklären.“ Ein Unternehmen in der Krise. Und der Chef bittet um Entschuldigung. Das ist richtig. Aber es reicht nicht. Denn erstens ist es weit mehr als nur eine Krise bei VW. Und zweitens: Der Chef mag keine Schuld haben. Aber er ist verantwortlich.

Eine Krise, in diesem Fall sogar ein GAU, findet bei uns nicht im Kopf statt. Sondern im Bauch. Eine Krise und unsere Reaktionen darauf sind nicht rational, sondern emotional. Argumente können uns deswegen nicht erreichen. Warum nicht?

Eine Krise ist enttäuschtes Vertrauen. Wir haben, in diesem Fall, VW vertraut. Wir haben uns mit und in einem VW gut gefühlt. Sicher. Komfortabel. Und, wir haben es ja in der VW-Werbung oft genug gehört: „Wir fahren sauber“. Sauber für die Umwelt und damit auch sauber für uns. Das schafft ein gutes Gewissen. Jetzt sind wir enttäuscht worden. Zwar nicht alles gelogen – sicher und komfortabel sind uns noch geblieben. Aber sauber sind und fühlen wir uns nun keineswegs mehr. Und damit sind auch das Produkt und Unternehmen nicht mehr sauber. Und eben – auch der Chef nicht mehr.

Produkte, und die Werbung für sie, zielen auf den Bauch, nicht auf den Kopf. Deswegen reagieren wir darauf auch emotional. Unsere Enttäuschung ist eine seelische Verletzung. Und natürlich suchen wir den Fehler nicht bei uns (wir hätten ja der Werbung misstrauen und selber externe Abgasprüfungen initiieren können), sondern, wie immer in solchen Fällen, hat jemand anders Schuld. Und dieser Jemand soll leiden, ebenso wie er uns leiden lässt.

Über Pro und Kontra eines Rücktritts von Martin Winterkorn muss deswegen nicht diskutiert werden. Natürlich ist Winterkorn nach wie vor ein fähiger Vorstandsvorsitzender, der VW auch weiterhin auf einen guten und erfolgreichen Weg bringen könnte. Aber dem steht entgegen: Mit Winterkorn kann dieser GAU nicht wirklich beendet werden. Mit Winterkorn ist bei VW kein Neuanfang möglich. Solange der Verantwortliche (auch wenn er, vielleicht, nicht der Schuldige ist) besser davon kommt, als wir es konnten – wird VW in der Öffentlichkeit, bei Mitarbeitern und bei Kunden keine wirklich weiße Weste zurückgewinnen können.